Hund Barf Fleisch

Ein harter Brocken…

„Gut gekaut ist halb verdaut“ lernt schon jedes Kind. Und so beäugt der Hundebesitzer seinen Fiffi eher skeptisch, wenn dieser wieder einmal genau 30 Sekunden benötigt, um seinen randvollen Futternapf zu leeren. Kommt Ihnen das bekannt vor? Keine Angst, Ihr Vierbeiner zeigt ein normales Fressverhalten.

Schauen wir uns die Hintergründe des Schlingverhaltens an: Als Rudeljäger lauert der Hund, ebenso wie der Wolf, seiner Beute auf, hetzt sie und verschlingt dann nach der Tötung recht schnell in großen Brocken eine riesige Menge auf einmal. Warum zeigt der Hund dieses Fressverhalten? In freier Natur machen Caniden (Hundeartige) nicht ständig Beute und sind oft gezwungen, über mehrere Tage zu fasten. Wenn ein Canide einen Jagderfolg hat, verschlingt er große Mengen des Beutetieres in kürzester Zeit, um sich diese Ressource zu sichern. Wölfe können bis zu 20% ihres Körpergewichtes an Fleisch hinunterschlingen. Bei großen Wölfen kann dies bis zu 10 kg Fleisch sein.

Hund Barf Fleisch
Hund Barf Fleisch (c) Bild: iStock

Der Hund also ist ein Schlingfresser. Er zerkleinert zwar auch in Maßen Obstfasern oder Pflanzenbestandteile im Beutetier (Pansen), aber vorwiegend reißt er größere Stücke aus der Beute und schlingt die Fleischbrocken am Stück hinunter.

Wenn Hunde ausschließlich maulgerechte „Astronautenkost“ bekommen, wie mein Hundetrainer „Trockenfutterpellets“ mal genannt hat, ahnen ihre Besitzer oft gar nicht, was ihr Liebling imstande wäre zu schlucken, wenn man ihn denn ließe. Mancher hat seinen Chihuahua von Trocken- auf Rohfleischfütterung umgestellt und nicht schlecht gestaunt, dass der Winzling Fleischbrocken in Pflaumengröße mit unerschütterlicher Selbstverständlichkeit mühelos zu inhalieren vermag, ohne mit der Wimper zu zucken. Egal, welche Rasse – ob groß oder klein: das Schlingen proportional sehr großer Fleischbissen ist dem Hund angeboren.

Neulich wurde ich zufällig Zeugin einer Unterhaltung zweier älterer Damen, die einander ihr Leid klagten. „Der Moritz ist unmöglich. Der schlingt ja beim Fressen wie ein Wahnsinniger. Wie kann ich dem Hund nur beibringen, dass er kauen muss? Da muss es doch eine Möglichkeit geben, dass der nicht mehr so schlingt. Der verschluckt sich ja dauernd“. Als ich so zuhörte, erinnerte ich mich zurück. Was das Schlingen betrifft, ist dieses Reliktverhalten bei meiner eigenen Hündin sehr stark ausgeprägt. Als ich vor einigen Jahren noch Trockenpellets verfütterte, wurde ihr das natürliche Fressverhalten zum Problem. Sie hat die kleinen extrudierten Pellets oft regelrecht eingeatmet. Immer wieder verschluckte sie sich, würgte stark und machte eigenartige Keuchgeräusche. Langsamer gefressen aber hat sie deswegen nie.

Anti-Schling-Napf
Anti-Schling-Napf (c) Bild. J.Kurth

Ein Freund schenkte uns irgendwann einen Fressnapf mit Innennoppen
. Um diese Noppen muss der Hund drum herum fressen und bekommt die Pellet-Masse nicht komplett zu fassen. Der Fressvorgang wird automatisch verlangsamt und das Schlingen somit ausgebremst. Beim Verfüttern von Trockenfutter sicherlich eine sinnvolle Sache, um einen Extremschlinger vor dem Ersticken zu bewahren.

Wenn der Hund artgerecht mit Fleischbrocken ernährt wird, kommt es äußerst selten zu einem ausgeprägten Verschlucken oder Würgen. Seit sie gebarft werden, haben sich meine beiden Hunden nie wieder verschluckt.

Fleischbrocken haben aber noch mehr positive Aspekte, denn so wie man Futterknochen oft als „Zahnbürste des Hundes“ bezeichnet, so können auch Fleischbrocken diese Funktion übernehmen. Fleischstücke, die wegen ihrer Größe nicht komplett geschluckt werden können, fördern nämlich auch den Zahnstein-Abrieb. Schnell findet man heraus, ab wann Brocken die geeignete Übergröße aufweisen, um dem Hund keine andere Wahl zu lassen, als die große Beißfläche zu bearbeiten und zu zerkleinern. Man kann dann gut beobachten, wie das Futterstück immer wieder im Maul von rechts nach links wandert, indem es seitlich mit dem Fang gepackt wird, um es zu bezwingen. Natürlich sinnvollerweise am besten nicht auf dem teuren Wohnzimmer-Perser.

Brocken aus Muskelfleisch und Innereien
Brocken aus
Muskelfleisch und Innereien
(c) Bild: J. Kurth

Weiterhin fördert die Fütterung mit Fleischstücken die Stärkung der Magenmuskulatur. Der Verdauungstrakt von gebarftenHunden ist kräftig und gut entwickelt. Das wirkt der Gefahr einer Magendrehung entgegen.  Es gibt natürlich Erkrankungen, bei denen es erforderlich ist, dem Hund Fleisch, Grünzeug und Knochen in gewolfter Form zu verabreichen. Ebenso wie manchen Senioren, die diese Futterkomponenten oft nicht mehr so perfekt verdauen können wie junge Hunde. Für die Zahnpflege müssen dann eben andere Kaualternativen gefunden werden, z.B. Geweihabwurfstangen.

Fazit: Fleischfütterung im Rahmen einer B.A.R.F.-Mahlzeit, ganz gleich ob in Brocken oder aus Verdaulichkeitsgründen gewolft, ist die artgerechteste Ernährung, die man einem Hund angedeihen lassen kann. B.A.R.F. weiß einfach den Weg.

Jutta Kurth, B.A.R.F.-Beraterin
www.barfweissdenweg.wordpress.com

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