Mit DogDance in ein neues Leben

Dogdance © R. Ploder
© R. Ploder

„Hunde aus Tierheimen? Auf keinen Fall! Die sind doch nur aggressiv oder vollkommen verängstigt!“ Das denken sich viele, wenn sie über die Anschaffung eines Hundes nachdenken. Und teilweise stimmt es auch. Tierheimhunde zeigen häufiger Verhaltensprobleme und landen bei einer Vermittlung irgendwann schlussendlich doch wieder im Tierheim. Dass das keine Lösung ist, sollte jedem klar sein. Denn den Hunden wird so auf keinen Fall geholfen. Sie drehen sich sprichwörtlich im Kreis und können ihre Probleme nicht lösen. Denn die werden auf diese Art eher noch verstärkt. Ein Türöffner für diese Hunde könnte DogDance darstellen. Und das kann jeder mit Hund

Studien von Luescher und Medlock (2009) zeigen bereits, dass Training mit Tierheimhunden positive Auswirkungen haben. Dabei konnten Hunde die ein Training absolvierten, 1,4-mal öfter vermittelt werden, als Hunde ohne Training. Das heißt, dass die Vermittlungsrate durch ein Training angehoben werden kann.

Die laufende Masterarbeit von Renate Ploder soll nun eine erste wissenschaftliche Analyse der Auswirkungen von Beschäftigungsmaßnahmen in Form von DogDance auf Tierheimhunde darstellen. Die Frage, ob sich das Verhalten der Tierheimhunde nach gezielten Trainings- und Beschäftigungsmaßnahmen in Form von DogDance-Training in Hinblick auf eine Abnahme von aggressiven und/oder ängstlichen Verhalten verändert, soll mit dieser Arbeit beantwortet werden.

Die Testhunde

Im Rahmen der Arbeit werden Tierheimhunde des Landestierschutzvereins Steiermark Graz/Grabenstraße herangezogen. Da man junge und ausgewachsene Hunde nicht vergleichen kann, beträgt das Mindestalter der Hunde für diese Studie 15 Monate. Es gibt sowohl eine Testgruppe, als auch eine Kontrollgruppe. Das heißt, es gibt eine Gruppe von Hunden, die ein Training absolvieren, wie auch Hunde, die keines absolvieren. Mit beiden Gruppen werden die gleichen Tests durchgeführt. Dadurch kann man untrainierte und trainierte Hunde miteinander vergleichen und mögliche Unterschiede feststellen.

Die Studie mit Hunden

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Dogdance © R.Ploder

Die Hunde durchlaufen einige Testsituation, die gefilmt und anschließend mit einem Videoanalyseprogramm mittels Ethogramm (Verhaltenskatalog) ausgewertet werden. Diese Tests beinhalten einige Alltagssituationen und einen Standardspaziergang. Dieser Spaziergang ist, wie der Name schon sagt, standardisiert, er läuft also immer gleich ab. Um herauszufinden, wie sich der Hund in einem neuen Zuhause mit neuem Besitzer verhalten würde, ist der Hundeführer bei jedem Test eine für den Hund fremde Person.

Die Hunde, sowohl Test- als auch Kontrollgruppe, durchlaufen diese Tests insgesamt zweimal. Bei der Testgruppe finden die Tests vor und nach der Trainingszeit statt. Wie bereits gesagt, absolviert die Kontrollgruppe kein Training. Hier liegen zwischen den zwei Testsituationen zwei Wochen. Theoretisch sollte sich das Hundeverhalten der Kontrollgruppe nicht ändern, während es sich bei der Testgruppe sehr wohl ändern sollte. Ob das wirklich so zutrifft und wie effektiv das Training ist, wird sich nach der Analyse und Datenauswertung, die noch nicht stattgefunden hat, zeigen.

Das Training

Die Hunde der Testgruppe werden innerhalb von zwei Wochen in sechs Einheiten zu je ca. einer Stunde im DogDance trainiert. Sprich, insgesamt erhalten die Hunde ca. sechs Stunden Training. Trainiert wird am Hundeplatz des ÖRV HSV Graz Grabengürtel, der ca. 10 Gehminuten entfernt liegt. Das Training wird von ehrenamtlichen Hundeführern, mit mehr oder weniger Hundekenntnissen, nach einer Einschulung durchgeführt. Damit soll gezeigt werden, dass auch ehrenamtliche Spaziergeher in der Lage sind, durch einfaches Training den Tierheimhunden eine bessere Chance auf ein neues Heim zu ermöglichen. Im Training selbst werden dem Hund einfache Tricks wie z.B. Beinslalom, Pfote geben oder im Kreis drehen beigebracht.

„Erfahrungsberichte“

Renate Ploder: „Für mich war immer klar, dass ich meine Masterarbeit im kynologischen Bereich schreiben möchte. Über eine Freundin, die mich bei meiner Arbeit immer wieder unterstützt, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass sich meine Masterarbeit mit Tierheimhunden beschäftigen soll. Da ich selbst seit fünf Jahren mit meinem eigenen Hund DogDance betreibe, kam ich auf die Idee, die Auswirkungen eines solchen Trainings auf Tierheimhunde zu untersuchen. Seit März dieses Jahres läuft nun die Studie und ich bin immer wieder erstaunt, wie toll die Tierheimhunde lernen und wie viel Spaß ihnen das Training bereitet. Auch die Tierheimbetreuer berichten davon, dass einige Hunde durch das Training ruhiger und ausgelassener werden. Die genauen Ergebnisse stehen aber noch aus. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mir so großartig bei meiner Arbeit helfen und mich unterstützen. Ohne sie wäre diese Studie gar nicht möglich! „

Wer die Tierheimhunde bei ihren Fortschritten mitverfolgen möchte, kann sich einige Trainingsvideos unter http://www.trick-boxx.jimdo.com ansehen.

Ein Gastbeitrag von Renate Ploder

Bilder: © fallend.at und © R.Ploder

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